Sommerausstellung: Meisterwerke aus einer Hamburger Privatsammlung

Janssen-Biograf Blessin gewährt Einblicke in seine Sammlung

Das Horst-Janssen-Museum Oldenburg zeigt ab dem 14. Juli eine Sommerhängung mit 90 Meisterwerken von Horst Janssen aus einer Hamburger Privatsammlung. Leihgeber ist der Janssen-Biograf Stefan Blessin, der seit 1970 immer wieder Blätter des norddeutschen Grafikkünstlers erworben und so seine Sammlung kontinuierlich erweitert hat. Zum Auftakt der Sommerausstellung lädt das Horst-Janssen-Museum am Donnerstag, 16. Juli, um 19 Uhr zu einem Gespräch mit Stefan Blessin in die Ausstellung ein.

„Die Blessin-Sammlung ist eine der schönsten und aufregendsten Sammlungen mit Werken von Horst Janssen, die es in privater Hand gibt“, sagt Museumsleiterin Dr. Jutta Moster-Hoos. Die gezeigten Zeichnungen und Aquarelle beinhalten alle Vorlieben und Hauptthemen Janssens: Selbstporträts und Porträt-Köpfe, Stillleben und Landschaften, seine Kopien und auch die Themenbereiche Eros und Tod. „Die gesammelten Werke setzen im wesentlichen Anfang der 1970er Jahre ein und stammen somit aus den so genannten Meisterjahren Janssens. Eben aus jener Zeit, in der Blessin Janssen als Gesprächspartner, Freund und Biograf kontinuierlich begleitet hat“, weiß Jutta Moster-Hoos.

Viele Zeichnungen, die sich heute in Blessins Sammlung befinden, sind Geschenke Horst Janssens. Die Widmungen, die sich vielfach auf den Blättern befinden, lassen daran keinen Zweifel. Blessin verließ sich jedoch nicht auf solche Gaben, sondern suchte immer auch aktiv selbst nach Werken, um sie zu erwerben. Seine Begeisterung für das Werk Janssens bestand schon vor dem ersten persönlichen Kennenlernen. Der Sammler schreibt über seine ersten Erwerbungen: „Natürlich war ich längst ein gebranntes Kind, als ich Janssen begegnete. Von dem ersten selbstverdienten Geld hatte ich gleich eine Grafik gekauft. Mit der Regelmäßigkeit eines Uhrwerks strich ich an der Buchhandlung in der Warburgstraße vorbei, als mich Hermann Laatzen für einen der ersten Tage des Jahres 1977 einlud. Janssen wollte die freien Wände mit Radierungen füllen, bevor ein paar Tage später das Buch ‚Nocturno‘ öffentlich vorgestellt werden sollte. (…) Es dauerte gut ein halbes Jahr, in dem ich bei Hartmut Frielinghaus [Janssens Drucker] antichambrierte, der mich in der kühlen Werkstatt herum stehen ließ, … Dann erst wurde ich in den Mühlenberger Weg [Janssens Haus und Atelier] gerufen. Zum ersten Mal öffneten sich vor mir das Gitter, die Tür unten und die Tür oben, und obwohl ich in einen ins Halbdunkel, von allerlei Sachen überquellenden Raum mit einem zentralen Licht über der nur an dieser Stelle freigehaltenen Zeichenplatte betrat, tat sich mir eine Welt auf.“

Die Sommerhängung „Meisterwerke von Horst Janssen aus einer Hamburger Privatsammlung“ ist vom 14. Juli bis 31. Oktober 2015 im Horst-Janssen-Museum Oldenburg zu sehen.

Horst Janssen, Allah ist bunt, 1982,Pastellkreide und Bleistift, 15,3 x 20,4 cm, Foto: Norbert Gerdes © (Horst Janssen) VG Bild-Kunst Bonn, 2015