Freifeld Festival 2015 findet nicht statt

Das Freifeld Festival 2015 auf dem Klostergelände Blankenburg vom 14.
bis 16. August muss leider abgesagt werden. Diese Entscheidung sei
allen Beteiligten sehr schwer gefallen, teilt das Festivalteam mit.
Geplant war, wie in den vergangenen zwei Jahren, ein buntes
Kulturfestival mit Musik, Theater, Ausstellungen, Literatur, Film und
Workshops zu veranstalten. Das Freifeld Festival als erste öffentliche
Veranstaltung in Blankenburg, einem Ort, der in der Vergangenheit
sowohl psychiatrische Einrichtung als auch Lager für Geflüchtete war,
zu organisieren, war von Anfang an eine fordernde Aufgabe, für die
sich das Freifeld-Team jedoch nach intensiver Auseinandersetzung
entschieden hat. Dabei war der eigene Anspruch der ehrenamtlich
arbeitenden Organisator*innen, die Geschichte des Geländes sowohl
künstlerisch als auch dokumentarisch in allen Programmbereichen zu
thematisieren. Im Mittelpunkt stand in diesem Jahr nicht nur ein
Kulturfestival zu organisieren, sondern auch einen sensiblen Umgang
mit der Geländegeschichte zu finden und diese sichtbar zu machen.
Geplant waren unter anderem Gespräche und Geländeführungen mit
Zeitzeug*innen, interaktive und partizipative Formate, die eine
selbstbestimmte Entdeckung des Geländes und seiner Geschichten
ermöglichen, sowie Ausstellungen und Lesungen, die die Themen
Psychiatrie und Flucht reflektieren.

Aufgrund der vielfältigen und kritischen Auseinandersetzung mit der
Historie des Geländes gemeinsam mit Kooperationspartner*innen aus
allen Bereichen der Oldenburger Kulturszene, die sich im Programm
widergespiegelte, entstanden beim Geländeeigner Bedenken, dass
Blankenburg in ein “negatives Licht” gerückt werden könne. Diese Sorge
kann das Freifeld-Team nicht teilen: „Für uns ist eine Veranstaltung
an einem besonderen Ort wie Blankenburg nur möglich, wenn wir uns der
Historie des Ortes öffnen und uns, nicht nur aber auch, inhaltlich mit
der Geländegeschichte und der aktuellen Entwicklung auseinander setzen
sowie unser Programm unabhängig kuratieren können”, sagt Katrin
Windheuser, Festivalleitung. “In diesem Punkt können wir als
sozio-kulturelles Festival nicht kompromissbereit sein und einzelne
Programmpunkte, wie zum Beispiel die historische Geländeführung,
streichen.” Freifeld und Geländeeigner hätten versucht, sich in
persönlichen Gesprächen aufeinander zu zu bewegen, sagt Katrin
Windheuser. Trotz der sonst sehr konstruktiven Zusammenarbeit, mussten
aber beide Seiten einsehen, dass es wegen unterschiedlicher
Erwartungen an ein Kulturfestival in Blankenburg keine gemeinsame
Grundlage für eine weitere Kooperation geben kann. Leider konnte in
der gemeinsamen Suche mit der Stadt und weiteren Partner*innen kein
Ersatzgelände gefunden werden, das Konzept des Festivals gerecht
geworden wäre.

“Diese Situation war für das gesamte Team nicht absehbar, trifft uns
mitten in den letzten Zügen der Vorbereitungen und wir sind nicht nur
deshalb zutiefst bestürzt”, sagt Max Wolfs aus der Programmgruppe des
Freifeld Festivals. “Unzählige Stunden ehrenamtliche Arbeit und
Herzblut sind in den letzten Monaten in dieses Projekt geflossen und
es ist schmerzhaft, in diesem Jahr das Festival nicht realisieren zu
können.” Die Organisator*innen möchten sich bei allen Förder*innen,
Sponsor*innen, Unterstützer*innen, Künstler*innen und allen
Besucher*innen aus tiefstem Herzen bedanken, die die Idee eines
Festivals in Blankenburg immer unterstützt haben. „Wir werden uns für
die weitere Auseinandersetzung mit dem Kloster Blankenburg einsetzen
und nach einer kurzen Atempause mit der Arbeit für das nächste
Freifeld Festival beginnen.”, sagt Lea Brenningmeyer vom Freifeld e.V.
Das Freifeld-Team hofft, dass die Auseinandersetzung mit der
Geschichte des Klosters Blankenburg fortgesetzt wird und im Kontext
aktueller Geschehnisse rund um das Thema Flüchtlingspolitik in der
Öffentlichkeit diskutiert wird.

Bild: Lars Kaempf